Fachtagung 2025

Der Rekord: 550 Schulleitende und rund 40 Stände und Workshops

Ein (T)Raum wird wahr.

Wovon die Geschäftsleitung des VSLCH bei der Wahl des Tagungsthemas nur zu träumen wagte, wurde am 11. November 2025 wahr: rund 550 Schulleitende fanden sich in der Umwelt Arena ein. Alle wollten dabei sein. Stand- und Workshoppartner:innen stritten sich zuvor schon fast um die Plätze und Zeitfenster. Die Organisation stellte den VSLCH, die Umwelt Arena und unsere Einrichtungspartnerin Witzig the Office Company vor neue Herausforderungen. Wird alles klappen?

Jetzt wissen wir, was wir gebraucht hätten.

Andreas Hammon vom Institut für Schul- und Lernraumentwicklung ISL brachte die Situation auf den Punkt und sorgte für zustimmendes Nicken im Publikum. Oft wird die Pädagogik erst zum Thema, wenn das Schulhaus gebaut ist.

Zuvor stimmte VSLCH-GL-Mitglied Jörg Berger auf das Tagungsthema ein, indem er auf die Umfrage verwies, die zeigte, dass sich die Schulleitenden mit Lernen und Raum beschäftigen. Im Interview mit Andreas Hammon ging es darum, wie pädagogische Anforderungen frühzeitig in Schulbauprozesse einfliessen können. Schulleitungen sollen bereits in der «Phase Null» mit pädagogisch-räumlicher Expertise einbezogen werden, da dort ihr Einfluss am grössten ist. Oft zeigt sich eben erst nach dem Einzug, was eigentlich gebraucht worden wäre – diese «räumliche Lernkurve» soll durch klare Aufgabenbeschreibungen für die Pädagogik verschoben werden. Die Tagung und der weiterzuentwickelnde Schulbaukompasswollen diese Lücke schliessen. «Wir müssen überdenken, wie wir für eine veränderte Welt gestalten». So Carlo Ratti, Kurator der Architektur Biennale 2025: «Auch Schulbauarchitektur als räumliche Lernumgebung muss so flexibel und dynamisch werden wie die Welt, für die wir heute entwerfen».


Luft, Licht, Lärm, Liebe

Wie das kollaborativ und partizipativ geschehen kann, illustrierte Roger Spindler, Direktor der Schule für Gestaltung Bern und Biel und Referent des Zukunftsinstituts Frankfurt. Als begnadeter Storyteller im breitesten Berndeutsch nahm er das Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise: Der Umbau eines Teils der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil (Bernapark) in die neue Schule für Gestaltung; von der Vision über die Stolpersteine bis hin zur konkreten Umsetzung. Sein Begriff «Edutecture» steht für mehr als nur Architektur – er beschreibt eine Lernumgebung, in der Bildung, Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft in Beziehung treten: Sämtliche Räume verschmelzen zu einem lebendigen Ökosystem des Lernens. Partizipation und Kollaboration aller spielten eine zentrale Rolle: Lernende, Lehrpersonen und Mitarbeitende wurden schon von Anfang an in die Planung einbezogen. Dabei standen über allem stets die Leitgedanken: Luft, Licht, Lärm und Liebe.

Rosan Bosch: Begeisternd, inspirierend, wegweisend

Von der gefängnisartigen Lernzelle zum offenen, inspirierenden Lernraum; mit diesem Bild stimmte Rosan Bosch vom Ist-Zustand vieler Schulen zur (T)Raumschule von heute und morgen ein. Rosan Bosch ist eine international renommierte Designerin und Gründerin des Rosan Bosch Studio und steht für mutige, visionäre Lernumgebungen, die Motivation, Wohlbefinden und Engagement fördern. Ihre Überzeugung: Raum ist ein mächtiges Werkzeug für Veränderung im Bildungswesen.

Der Auftritt glich einem Feuerwerk der Inspiration. Ihr Credo ist die Verbindung von Pädagogik und Design: Die Gestaltung von Lernumgebungen unterstützt die pädagogischen Ziele und fördert das Lernen. Architektur und Design beeinflussen das Lernverhalten und umgekehrt. Physische Räume müssen mit der pädagogischen Ausrichtung übereinstimmen. Ziel ist die Schaffung dynamischer Lernumgebungen. Unter dem Thema «Transforming Learning Environments» erläuterte sie ihr Konzept der «Sechs Designprinzipien für effektives Lernen».
Sechs Designprinzipien für efffektives Lernen
Rosan Bosch entwickelte sechs Anforderungen an den Lernraum, der unterschiedliche Lernstile unterstützt: Campfire, Watering Hole, Mountain Top, Cave, Hands-On und Movement. Dabei werden verschiedene Lernstile (visuell, auditiv, kinästhetisch) berücksichtigt. So kann eine Vielzahl von Lernmöglichkeiten geboten werden, die das Lernen fördern. Sie zeigte anhand umgesetzter Projekte in Belgien, Spanien und Uruguay, dass das Konzept nachhaltig funktioniert – im Innen- und Aussenbereich.
Übrigens: Die Einrichtung in der Umwelt Arena folgte den sechs Designprinzipien.

Posterausstellung: Inspirierende Schulbau- und Lernraumprojekte

An der VSLCH-Fachtagung 2025 wurden erstmals 21 eindrückliche Beispiele von Schulraumgestaltung aus Schweizer Schulen mit einer Posterausstellung gezeigt: Schulen, die ihren Schul(T)raum bereits verwirklicht haben – kreativ, partizipativ und oft mit erstaunlich einfachen Mitteln. Die Ausstellung machte deutlich: Lernraum ist kein Nebenprodukt, sondern Mitgestalter von Bildung. Die Projekte werden auf der VSLCH-Website in loser Folge vorgestellt.

Inspiration à discrétion und bewegende Momente

Auch Stammgäste der VSLCH-Fachtagung wurden nicht enttäuscht: Wie alle Jahre fehlten am Tag sinnliche, kulinarische, faszinierende und lehrreiche Momente nicht. Die VSLCH-Schulleitungscommunity folgte den verführerisch-kampfartigen Bewegungen des Tangos, verpflegte sich zwischen den Pausen lehrreicher Workshops, informierte sich an den Ständen über die neusten Angebote von ICT-Lösungen bis zum Waldlernen, zimmerte unter fachkundiger Anleitung im Freien, bekämpfte das Suppenkoma mit den Geschichten der After Lunch Speakers und schloss – sofern noch Zeit und Lust – den Tag beim Apéro ab. Es bleiben neue Erkenntnisse, gute Erinnerungen und Gespräche unter Kolleginnen und Kollegen.

Ja, es hat (fast) alles geklappt. Merci!

Auch bei noch so sorgfältiger Planung gibt es Learnings: z.B. verirrten sich einzelne Teilnehmende im Labyrinth der Umwelt Arena auf der Suche nach ihren ausgewählten Workshops. Versprochen: Nächstes Jahr wird das besser. Ansonsten, ja, es klappte alles wie am Schnürchen. Das Tagungsdesign hat funktioniert. Dank dem Team von Ute Würthenberger (Umwelt Arena), dank Linda Binkert von Witzig the Office Company, dank den Keynotes, dank der Unterstützung der vielen Fachtagungspartner:innen und dank der VSLCH-Bauequipe unter der Leitung von Jörg Berger. Und man möge es den Verfasser:innen dieses Texts verzeihen, wenn hier nicht alle namentlich erwähnt sind. Der Dank gehört selbstverständlich auch den vielen Helfenden. 

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