Wo lernen ein Zuhause findet

Einst Wohnraum - heute ein Ort für kindgerechtes Arbeiten und Lernen

Wo lernen ein Zuhause findet

Primarschule Attinghausen, UR

Beschrieb

Raummangel an der Primarschule Attinghausen stellte die Behörden und Verantwortlichen vor eine Herausforderung und eröffnete gleichzeitig
neue Perspektiven. Im Rahmen der pädagogischen Neuausrichtung entstand der Plan, leerstehende Wohnungen im Altbau als Lernräume für die jüngsten Schulkinder zu nutzen. Die kreative und kostengünstige Lösung fand breite Zustimmung. Mit Unterstützung des Lehrpersonals,
Freiwilliger und der Kinder wurden die Räume für den Schulbetrieb aufgewertet und vorbereitet.

Zeitraum

August 2023 – August 2025

Pädagogische Vision

Wir bieten eine Umgebung, wo sich Kinder mit uns zu einem grossen Teil selbstreguliert und hochaktiv auf ihre unbekannte Zukunft bilden können.

Beteiligte

  • Schulleitung
  • Lehrpersonen
  • Schüler:innen
  • Hauswartung
  • Behörde
  • Architekt:innen
  • freiwillige HelferInnen, Eltern und Erziehungsberechtigte, Personal Gemeindeverwaltung

Einbezug Politik und Bevölkerung

VerteterInnen des Gemeinde- und Schulrats waren Ausarbeitung des Raumkonzepts beteiligt.

Zusammen mit einigen kreativen und hochmotivierten Lehrpersonen war ich die treibende Person.

Highlight

Die Arbeits- und Lernräume sind in einer ehemaligen Wohnung. Die jüngsten Kinder fühlen sich sofort wohl und geborgen.

Die kleineren Räume eignen sich gut für die jüngeren Kinder, welche noch nicht so viel Raum einnehmen.

Den Kindern können den Bedürfnissen entsprechende Arbeits- und Lernorte zur Verfügung gestellt werden: Leseraum, Büro, Stube, Arbeits-
und Lernküche.

In den ersten zwei Primarschuljahren werden Kinder mit besonderen Bedürfnissen gut wahrgenommen. Die haben oft noch keine Diagnose und
somit auch keinen Anspruch auf zusätzliche Massnahmen (z.B. personelle Unterstützung oder Nachteilsausgleich). Die Räume unterstützen dabei, den Bedürfnissen der Kinder, ohne besondere Massnahmen entgegenzukommen.

Die Räume sind nahe beieinander, so dass auch klassenübergreifendes Arbeiten und Lernen möglich sind. Die vorhandenen Materialien können von allen Lernenden gut genutzt werden.

Vorhandenes Personal besonders SHP können flexibler und effizienter eingesetzt werden, so dass mehrere Kinder profitieren können.

Fürs selbstregulierte Arbeiten und Lernen stehen ausreichen und den Bedürfnissen der Kinder entsprechend Räume zur Verfügung.

Die Räume verstärken die pädagogische Entwicklung der Schule, wo der Fokus ganz stark auf die Aktivitäten der Lernenden gelegt wird. Das
Lehren wird dabei bewusster.

Herausforderungen

Solche alten Wohnräume sind nicht auf den Schulbetrieb ausgelegt. Auch entsprechen sie in verschiedenen Belangen nicht den gesetzlichen
Vorgaben: z.B. Brandschutz, Barrierefreiheit, etc. oder den aktuellen Anforderungen: z.B. Netzwerkabdeckung, Dämmung (akustisch &
klimatisch), Licht, etc. Das geht bei kreativem und zügigem Voranschreiten gern vergessen. Teilweise musste dann nachträglich bei
uns noch nachgebessert werden.

Mit solch doch weitreichenden Veränderungen wird ganz stark an den Grundfesten und der Grammatik der Schule gekratzt. Eine damit verbunden Entwicklung im pädagogischen und didaktischen Bereich ist unumgänglich. Für diese Entwicklung müssen alle intern - beteiligten Personen bereit sein und die extern – beteiligten Personen informiert und «ins Boot geholt» werden. An der Primarschule Attinghausen wurden zuerst Entwicklungen im pädagogischen und didaktischen Bereich vorangetrieben und nun auch Veränderungen auf organisatorischer und struktureller Ebene angepackt.

Wie der Raum heute genutzt wird.

Klp: «Ich fühle mich selbst wahnsinnig wohl in der Wohnung und liebe es, durch die Räume zu streifen und die Kinder bei ihren unterschiedlichen Arbeiten zu begleiten.»

Schülerin: «Mir gefällts in der Wohnung, weil's da auch ruhige Arbeitsplätze gibt.»

Schüler: «Ich finde es cool, dass ich mein eigenes Fächli habe.»

Schüler: «Das Lesezimmer ist mein Lieblingsplatz. Da kann ich auf bequemen Matten liegen und arbeiten.»

Zu Beginn des Tages trifft sich die ganze Gruppe im Wohnzimmer. Manchmal gibt es einen Input und einen Folgeauftrag der Lehrperson,
manchmal entscheiden die Kinder selbst, mit welchen LERNaufgaben sie sich beschäftigen. Auch über die Arbeitsplätze und Lernorte wird
entschieden. Ein Junge sagt: „Ich gehe lieber nicht in diesen Raum, da sind schon viele Kinder. Ich brauche einen stillen Arbeitsplatz, darum
wähle ich das Büro." Einige Kinder brauchen beim Entscheiden die Unterstützung der Lehrperson oder es werden auch Plätze zugewiesen.
Daraufhin besorgen sich die Zweitklässlerinnen und Zweitklässler die benötigten Materialien, die gut organisiert bereitliegen. Persönliche
Gegenstände sind in kleinen Schränken im Flur der Wohnung aufbewahrt.

Das Lesezimmer ist besonders beliebt. Es gibt gemütliche Sessel, Bodenmatten, viele Bücher und einige Spielsachen. Mehrere Kinder sitzen
auf dem Boden, lehnen sich an eine Wand oder kuscheln sich ein einen Sessel. Nachdem sich alle eingerichtet haben, entstehe eine
konzentrierte und entspannte Atmosphäre.

In der Küche steht ein großer Tisch, umgeben von Stühlen und einer Sitzbank. So, wie man es in einer Küche eben erwartet. Die
«Chuchichäschtli» sind beschriftet und in einem Regal stehen Kisten voller Krimskrams und Bastelmaterialien bereit. Drei Kinder sitzen am
Tisch und diskutieren über ein mathematisches Problem. Sie arbeiten zusammen, lachen und tauschen sich aus.

Im Konferenzzimmer bieten Mehrere Tische und Stühle Platz für konzentriertes Arbeiten. Es ist hell und schlicht eingerichtet; ein
idealer Raum zum Arbeiten und Lernen.

Im Flur wuseln immer wieder Kinder hin und her. Sie besorgen neues Material, suchen die Lehrperson auf oder «nuschen» in ihren persönlichen Kästchen. Es herrscht eine angenehme Betriebsamkeit.

Ein Mädchen liest der Lehrperson vor. Sie sitzen gemeinsam im Wohnzimmer am Boden auf einem Teppich. Die Lehrperson gibt ein kurzes
und klares Feedback. «Was wirst du als nächstes machen?», fragt sie dann. Das Mädchen antwortet, dass es noch im Buch weiterlesen möchte und verlässt das Zimmer. Die Lehrperson wandert in der Wohnung umher und ist aufmerksam. Sie wirkt dann wenn's notwendig ist und sie ist bereit, um auf die Bedürfnisse und Anliegen der Kinder zu reagieren.

Tipps

Behörden ins Boot holen. Bereitschaft zeigen. Mitanpacken. Pragmatische Lösungen finden. Kreativ sein. Externe Fachstellen/-personen
einbeziehen. Form follows function.

Kontaktdaten

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Telefon:

041 870 89 66
Primarschule Attinghausen auf der Schulvisite-Karte von proEdu:
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